BMU Energy Consulting

Jungunternehmen des Jahres 2026

Nach der Forschung folgte die Firmengründung

Beratungsunternehmen BMU Energy Consulting erhält in diesem Jahr den Wuppertaler Wirtschaftspreis in der Sparte „Jungunternehmen“ 

Auch wenn die Bergische Universität Wuppertal für ihre Gründungsförderung und eine Vielzahl von Start-ups bekannt ist, kommt der BMU Energy Consulting GmbH eine Sonderrolle zu. Das Beratungsunternehmen ist das erste Start-up, das aus dem Lehrstuhl für Elektrische Versorgungstechnik der Uni hervorgegangen ist. Drei mittlerweile promovierte Energieversorgungstechniker – Michael Becker, Tobias Müller und Björn Uhlemeyer – hatten das Unternehmen im März 2023 gegründet, um Beratungsdienstleistungen für den Energiesektor anzubieten. Das ist aus ihrer Sicht nämlich ein Thema, das vor dem Hintergrund der anstehenden Energiewende und der Dekarbonisierung der Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Für ihr Geschäftsmodell erhält die BMU Energy Consulting GmbH in diesem Jahr den Wuppertaler Wirtschaftspreis in der Kategorie „Jungunternehmen“. Der Impuls zur Gründung sei damals eine „spontane Idee beim Mittagessen gewesen, die wir dann weitergedreht haben“, erinnert sich Geschäftsführer Becker. „Wir haben damals gesehen, dass Themen, mit denen wir uns in Forschungsprojekten auseinandersetzen, drei bis vier Jahre später auch in der Praxis auftreten.“ So hatten sie bei ihrer Arbeit an der Uni zum Beispiel Forschungsprojekte im Bereich der energetischen Infrastruktur in Sachen Strom, Gas und Wärme verantwortet. 

Zum Zeitpunkt der Firmengründung hatten die drei Geschäftsführer in spe noch als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni gearbeitet, zwei bereiteten sich auf die Promotion vor. Von ihrer Geschäftsidee waren die Junggründer aber überzeugt und wagten trotz guter Jobperspektiven auf dem Arbeitsmarkt den Sprung in die Selbstständigkeit. Zugleich sollte ihre Geschäftstätigkeit aber weiter „einen Bezug zur Uni und Forschung“ behalten, betont Becker. Deshalb habe man auch Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek, Leiter des Lehrstuhls für Elektrische Energieversorgungstechnik an der Bergischen Universität, über die Pläne informiert. 

Prof. Zdrallek wurde „wissenschaftlicher Mentor“ der BMU Energy Consulting GmbH, zugleich fungiert er als vierter Gesellschafter, ist aber nicht ins operative Geschäft des Unternehmens eingebunden. „Die kommunale Wärmeplanung ist ein Schlüsselelement bei der Dekarbonisierung der Energieversorgung im Allgemeinen und der Wärmeversorgung im Besonderen. Die BMU Energy Consulting führt diese mittels wissenschaftlicher Methoden durch und betrachtet dabei insbesondere auch die Auswirkungen auf die Strom- und Gasnetzinfrastruktur“, erklärt er.

Die BMU Energy Consulting bietet Beratungsleistungen in den Bereichen Kommunale Wärmeplanung, Energieleitplanung, Quartiers- und Energiekonzepte sowie Wärmenetzplanung und Resilienz. Das Unternehmen nutzt Räumlichkeiten im Technologiezentrum W-Tec – sozusagen in Schlagweite zur Uni. 

Die drei Gründer stellten ihre wissenschaftliche Arbeit an der Uni im Laufe des Jahres 2023 zunächst auf Teilzeit um. Und das Geschäft lief so gut, dass das Start-up auch kontinuierlich Mitarbeiter gesucht und eingestellt hat. Mittlerweile arbeiten acht Menschen für die BMU Energie Consulting GmbH.

BMU steht dabei für die Anfangsbuchstaben der Nachnamen der Jungunternehmer. Ein wichtiger Aspekt bei der Zusammensetzung der Geschäftsführer spielen nach Angaben von Michael Becker auch die unterschiedlichen Ausbildungs- und Berufswege. Er selbst ist gelernter Elektrotechniker und studierter Maschinenbauer und hat auch schon als Unternehmensberater für Stadtwerke und Netzbetreiber gearbeitet. Tobias Müller ist Wirtschaftsingenieur, Björn Uhlemeyer gelernter und studierter Elektrotechniker, der bereits bei der Westnetz gearbeitet hat. Und alle drei haben einen Titel als „Dr.-Ing.“.  

Nach der Erstellung eines Businessplans waren die Gründer zudem schnell davon überzeugt, dass ihre Geschäftsidee dauerhaft trägt und „sich finanziert“. Sie verzichteten auf eine Förderung über ein Gründerstipendium, setzten aufs Eigenkapital und nahmen kein Bankdarlehen in Anspruch. „Die Firma gehört wirklich uns!“, freut sich Becker. Und der bisherige Geschäftsverlauf gibt ihnen Recht: „Bislang hatten wir kein Verlustjahr.“

Dabei ist die Konkurrenz, etwa im Bereich der Kommunalen Wärmeplanung, durchaus groß, räumt der Geschäftsführer ein. Deshalb setze man auf ein breites Portfolio, das auch Themen wie Infrastrukturplanung, klimaneutrale Energieversorgung in Quartieren oder intelligente Stromnetze umfasse. Auch das Thema „Resilienz“ – also die Bewahrung einer sicheren Energieversorgung – gewinne deutschlandweit an Bedeutung. 

Wichtig für das Renommee von BMU Energy Consulting sei auch die Mitarbeit an der im Juli 2025 veröffentlichten „dena-Verteilnetzstudie II“ der Deutschen Energie-Agentur gewesen, die die Herausforderungen und den Investitionsbedarf beim Umbau der deutschen Verteilnetze für Strom, Gas und Wärme auf dem Weg zur Klimaneutralität analysiert und bewertet. „Die Studie wird deutschlandweit gelesen“, betont Becker.

Dabei setze das Unternehmen auf Beratung, die die Interessen der Kunden in den Mittelpunkt stellt und keine Konzepte von der Stange anbietet. Bei der Planung von Energienetzen stelle man die Kostenfrage für die jeweiligen Versorgungsnetze in den Mittelpunkt und richte daran die weitere Planung aus. Durchsetzen werde sich das System, das „nicht nur klimaneutral, sondern am günstigsten ist“, ist sich Becker sicher. 

Auch wenn das Unternehmen bundesweit aktiv ist, liegt der Kundenstamm aktuell vor allem in NRW. Als Reverenz an den lokalen Standort hat sich BMU Energy Consulting übrigens einen Pinguin als Logo gewählt. Er ist zugleich ein Verweis auf Eigenschaften, die mit dem Pinguin verbunden werden: Als Seevogel ist er hervorragend an kalte Lebensräume angepasst und steht zugleich sinnbildlich für Zusammenhalt und Verbundenheit, also Eigenschaften, die auch die Beziehung der BMU zu ihren Kunden prägen.

Von Michael Bosse

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