Open Ground
Stadtmarketingpreis 2026
„So einen Hype hätten wir niemals erwartet“
Markus Riedel und das Team vom „Open Ground“ erhalten den Wirtschaftspreis 2026 in der Sparte „Stadtmarketing“
Mit dem Wirtschaftspreis in der Kategorie „Stadtmarketing“ wird in diesem Jahr ein Projekt ausgezeichnet, das Wuppertal in einem Bereich im In- und Ausland bekannt macht, in dem die Stadt bislang ein unbeschriebenes Blatt ist. Das „Open Ground“ am Döppersberg wurde zwar erst im Jahr 2023 eröffnet, hat sich aber schon einen Ruf als einer der weltweit führenden Musikclubs erarbeitet, der auch Besucherinnen und Besucher aus Metropolen wie London, New York oder Tokio für eine Nacht anlockt. In der Szene hat der Club Kultstatus erreicht, das renommierte „DJ Mag“ listete das „Open Ground“ unter die 100 besten Clubs der Welt auf.
Mit dem großen internationalen Echo und Vergleichen mit Clubs wie dem Berliner „Berghain“ muss Clubgründer Markus Riedel nun leben und darf zugleich den Fokus auf die tägliche Arbeit nicht verlieren. „Dass es so einen Hype um den Club gibt, hätten wir niemals erwartet“, sagt der 66-Jährige, der durch seine langjährige Zeit in Berlin die Szene der elektronischen Tanzmusik bestens kennt und gut vernetzt ist. Klar sei lediglich gewesen, dass die Gründung eines Clubs dieser Größenordnung ein Vorhaben ist, das sein Publikum in „ganz Nordrhein-Westfalen“ suchen muss. Dass die Resonanz nun weit über NRW hinausreicht, sei „total krass“. Und es ist auch so etwas wie eine Anerkennung dafür, dass der Umbau des ehemaligen Weltkriegsbunkers unter dem Wupperpark Ost immerhin sieben Jahre gedauert hatte.
Als wichtiges Erfolgsrezept machen Markus Riedel, seine Frau Christine und die weiteren Verantwortlichen vor allem den exzellenten Sound des Clubs verantwortlich, der bei den DJs für Furore sorgt und den Besuchern ein besonderes Klangerlebnis liefert. „Uns war die Akustik wichtiger als alles andere“, erklärt Markus Riedel. In dem ehemaligen Bunker wurde eine sogenannte Funktion-One-Anlage aus England eingebaut. Die Wände und Decken der beiden Clubräume sind mit eigens angefertigten Absorbern verkleidet, dahinter liegen bis zu 40 Zentimeter Mineralwolle. Schall, der sonst von harten Flächen zurückgeworfen würde, wird geschluckt.
Das Ergebnis: Der Bass ist körperlich spürbar, ohne dass ein Klangbrei entsteht. Zudem finden sich im „Open Gound“ auch noch eine Lobby, in der sich die Besucher bei leiserer Musik unterhalten können, ein Innenhof sowie ein großer Backstage-Bereich. Der ganze Club hat eine Größe von etwa 1400 Quadratmetern, bis zu 900 Leute passen dort hinein.
Der Name „Open Ground“ versteht sich dabei auch als Programm: Zutritt erhält jeder und jede ab 18 Jahren, niemand muss einen besonderen Coolness-Faktor mitbringen, um hineinzukommen. Der Konsum von Drogen sowie das Fotografieren mit Smartphones sind allerdings verboten. Zudem sorgt ein Awareness-Team dafür, dass sich die Gäste beim Aufenthalt im Club angemessen verhalten und andere Menschen nicht belästigen.
Dass das Projekt am Döppersberg nun mit dem Wirtschaftspreis ausgezeichnet wird, „freut mich total“, betont Markus Riedel. Die Lorbeeren dafür möchte er dabei aber ausdrücklich nicht allein entgegennehmen. Er verstehe die Würdigung als Anerkennung für das gesamte Team, das hinter dem „Open Ground“ steht und das Projekt durch seinen Einsatz unterstützt: „Das hier ist keine One-Man-Show!“ Das gesamte Team – inklusive der Belegschaft des „Café 23“ am Wupperpark Ost – zählt fast 80 Personen.
Das Vorhaben ist zudem ein Familienprojekt. Markus Riedel hat es mit seinem Bruder Thomas angeschoben. Als Gründer und Geschäftsführer der Riedel Communications GmbH brachte Thomas Riedel als Investor die Finanzmittel mit, die für die Ausstattung des Clubs mit einer exzellenten Akustik notwendig sind. Für das technische Know-how bei der Ausstattung des Musikclubs sorgte neben Markus Riedel auch der Gründer des Berliner Plattenladens „Hard Wax“, Mark Ernestus, der zudem als externer Berater fungiert. Für die Buchung der DJs und die Gestaltung der Abende ist Kurator Arthur Rieger verantwortlich.
Das „Open Ground“ versteht sich dabei als Musikclub mit einer breiten Palette aus Richtungen und Genres: Neben klassischen Spielarten wie Techno, House und Drum and Bass organisiert man auch Abende etwa mit Reggae, Soul, Funk und Disco. „Wir sind musikalisch breit aufgestellt“, erklärt Markus Riedel. Seitens der DJs gebe es mittlerweile so viele Anfragen, dass man diese „gar nicht mehr alle bewältigen kann“. Hauptveranstaltungstag für die Club-Nächte ist der Samstag – sie beginnen um 22 Uhr und enden um 6 Uhr morgens. Donnerstags ist der Club unter dem Motto „Open Lobby“ bei Gratiseintritt geöffnet. Der Club-Abend beginnt dann um 20 Uhr und endet um Mitternacht.
Mit Blick in die Zukunft möchte Markus Riedel vor allem dafür sorgen, dass sich die Besucherzahlen auf einem höheren Niveau stabilisieren. „Im ersten halben Jahr war’s stellenweise noch nicht so voll“, mittlerweile sei die zwar Resonanz besser, aber noch ausbaufähig, erzählt er. Zudem habe sich das Ausgehverhalten in Musikclubs nach der Corona-Pandemie verändert. Clubs hätten es nicht mehr so leicht, Gäste anzulocken wie etwa noch vor zehn oder 20 Jahren.
Von Michael Bosse