experial GmbH
Jungunternehmen des Jahres 2025
Bei Experial beantwortet KI Kundenbefragungen, das ist schnell und kostengünstig – nun bekommt das Start-up den Wuppertaler Wirtschaftspreis.
Marktforschung mit digitalen Zwillingen
Diejenigen, die sich zu Antworten breitschlagen lassen, geben diese oft nur halbherzig. Entsprechend mäßig ist die Qualität der Daten, die bei solchen Umfragen herauskommen. Am Ende entscheidet aber vielleicht ein Konzern auf dieser Datenbasis darüber, ob ein neues Produkt auf den Markt kommt, ob der Werbeslogan ankommt oder ob die Verpackung geändert wird. Nicht selten hat er dafür auch noch eine hohe Summer an das Marktforschungsinstitut gezahlt und mehrere Monate auf die Auswertung der Umfrageergebnisse gewartet – das passt nicht mehr zu dem Tempo, in dem sich die Gesellschaft heute weiterentwickelt.
Das junge Wuppertaler Start-up Experial hat eine vollständig auf Künstliche Intelligenz (KI) basierende Lösung entwickelt. Die Technologie ersetzt klassische Befragungen durch sogenannte Digitale Kundenzwillinge – KI-Modelle, die sich wie echte Konsumenten verhalten und somit Unternehmen belastbare Daten liefern. Und das Ganze in Minuten statt Monaten und für nur rund 50 statt 20 000 Euro. Nun bekommt Experial den Wuppertaler Wirtschaftspreis 2025. „Wenn ich in Echtzeit Feedback auf Kampagnen oder zu Produktideen bekomme, kann ich viel schneller iterieren, Botschaften und Features testen und Budgets effizienter einsetzen. Das verändert die ganze Dynamik im Arbeitsprozess, Teams arbeiten wieder kreativer und trauen sich mehr, weil sie vorher testen können.“, sagt Tobias Klinke.
Klinke und Nader Fadl haben Experial 2022 ins Leben gerufen. Vorher haben die beiden in Wuppertal Marketing studiert und auch in diesem Bereich promoviert. Auf der Suche nach einem technischen Mitgründer stießen sie auf Nils Rethmeier, dessen Forschungsschwerpunkt genau zu ihrer Vision passte. Er hat einen Abschluss in Machine Learning und hat am deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz promoviert. Heute, dreieinhalb Jahre später hat das Unternehmen 12 Mitarbeiter, die meisten von ihnen mit technischem Hintergrund. Und auch wenn Experial seinen Hauptsitz in Wuppertal hat, wird bei dem Jungunternehmen das mobile Arbeiten forciert. „Unsere Remote-Struktur erlaubt es allen Mitarbeitenden, ortsunabhängig zu arbeiten – was es uns ermöglicht hat, Talente in ganz Deutschland für uns zu gewinnen, und gleichzeitig die individuelle Lebenssituationen und familiäre Bedürfnisse optimal unterstützt“, erklärt Tobias Klinke.
Mittlerweile ist Chat GPT für viele eine gute Möglichkeit, um schnell an Antworten auf Alltagsfragen zu kommen. Frage eingetippt und blitzschnell liefert die KI Antworten. Das ist auch die Idee von Experial, nur eben in Sachen Marktforschung. Und so haben die Junggründer anfangs eben auch erst einmal Chat GPT befragt. Doch schnell viel auf: Auf Fragen wie: Wie stehen die Hundebesitzer in NRW zu tiefgefrorenem Futter, gab Chat GPT nur Mainstreammeinungen wieder und spiegelte nicht die Vielfältigkeit der Masse. Das musste besser gehen. Also entwickelten die Macher ihr eigenes System, bei dem das Programm viele verschiedene Profile erstellt und deren mögliche Antworten am Ende analysiert.
Die Nutzer bekommen einen Zugang über ein Abosystem und können damit so oft und so viele Anfragen stellen, wie sie möchten. Der weltweite Marktforschungsmarkt liegt bei rund 150 Milliarden Euro und ist bislang vor allem für große Unternehmen zugänglich. „Wir demokratisieren die Marktforschung mit unserer Idee. Mit KI-basierten Kundenzwillingen und automatisierter Studienerstellung und -auswertung machen wir Insights für jedes Unternehmen sofort verfügbar“, erklärt Klinke. Das kommt gut an: Bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase konnten die Gründer mehr als zwei Millionen Euro an Finanzierung einwerben – unter anderem durch einen Professor der Columbia University in New York, Unternehmer aus Wuppertal und Düsseldorf sowie die renommierten VC-Fonds Capnamic und xdeck. Schnell gehörten namhafte große Unternehmen zu den Kunden von Experial, darunter die WSW aber auch große Versicherungen und Einzelhandelsketten. Die Ergebnisse von Experial sprechen auch für sich: „Im Vergleich mit herkömmlichen Umfragen, bei denen echte Menschen die Antworten geben, erreichen wir mit unserer KI bereits jetzt eine semantische Überschneidung von 85 bis 93 Prozent“, sagt Klinke.
Anfang des Jahres wurden die Wuppertaler bereits mit dem Wissenschaftspreis der EHI Stiftung und GS1 Germany ausgezeichnet, die den Preis an Wissenschaftler sowie Start-ups verleihen, deren exzellente wissenschaftliche Arbeiten und Projekte relevant für die Handelsbranche und die Konsumgüterindustrie sind. In der Jury des Preises sitzen namhafte Vertreter großer Unternehmen, also auch alles potenzielle Kunden von Experial. „Das ist genau unsere Zielgruppe. Wir hoffen, dass wir dadurch weitere Unternehmen gewinnen können“, sagt Klinke.
Von Nina Mützelburg