Brückensteig

Stadtmarketingpreis 2025

Lange Planung für einen hohen Aufstieg
Deepwood GmbH bietet mit ihrem Projekt „Brückensteig“ Klettertouren auf die Müngstener Brücke.

Wer hoch hinaus will, muss mitunter länger planen und darf sich auch nicht entmutigen lassen. Zwölf Jahre haben Sören Walla und Gottfried Engendahl, Geschäftsführer der Deepwood GmbH, für die Umsetzung ihres Projekts „Brückensteig“ gearbeitet. Seit August 2021 bieten sie ein Erlebnis, das europaweit seinesgleichen sucht: eine geführte Klettertour für bis zu 15 Menschen auf der Müngstener Brücke. Aus einer Höhe von rund 100 Metern können die Teilnehmer – knapp unterhalb der Gleise der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands - einen Blick auf Wupper, Brückenpark und das umliegende Waldgebiet werfen. Für sein Projekt erhält das Unternehmen in diesem Jahr den Wuppertaler Wirtschaftspreis in der Kategorie „Stadtmarketing“.

Die Deepwood GmbH organisiert Outdoor- und Indoor-Teamevents sowie individuelle Trainingsformate für Einzelpersonen, Teams und Organisationen. Mit der Erlebnistour auf der Müngstener Brücke hat das Unternehmen ein touristisches Angebot (www.brueckensteig.de) geschaffen, das im In- und Ausland für Aufmerksamkeit sorgt – und auch schon in Fachpresse und Social Media für Aufsehen gesorgt hat. Mächtig stolz sind Walla und Engendahl nicht zuletzt über eine Bewertung mit 5,0 Sternen bei Google. Damit sei man „die am besten bewertete Attraktion Deutschlands“.
Von der Besucherresonanz auf das Angebot wurden die Deepwood-Geschäftsführer ein Stück weit überrollt. „Innerhalb von 48 Stunden haben wir nach der Eröffnung im Sommer 2021 mehr als 1000 Tickets verkauft“, erzählt Engendahl. Die Nachfrage sei auch deshalb so groß, weil die Müngstener Brücke eine der wichtigsten Attraktionen des Bergischen Landes sei. „Damit sind Generationen groß geworden. Viele Leute möchten das Bauwerk kennenlernen!“ Das belegt auch die bisherige Bilanz: Mehr als 50.500 Kundinnen und Kunden hat das Unternehmen bis Anfang 2025 für seinen „Brückensteig“ registriert. Die Saison für das Angebot dauert von Frühjahr bis Ende Herbst. 
Auf die Idee, die historische Eisenbahnbrücke zu einem Ausflug- und Teambuilding-Ort zu machen, waren die Verantwortlichen von Deepwood anlässlich einer Teambuilding-Veranstaltung im Umfeld der Brücke gekommen, bei der Teilnehmer eine zehn Meter hohe Strickleiter rauf- und runterklettern konnten. Damals entstand die Idee, die Müngstener Brücke selbst für Teams, Schulklassen oder Ausflugsgesellschaften zu öffnen. Um sich über eine mögliche Umsetzung zu informieren, flog Sören Walla im Jahr 2011 nach Australien und besuchte in Sydney die dortige Sydney Harbour Bridge, die solche Brückentouren bereits seit längerem anbietet. 
Die Planungen und Genehmigungen dauerten dann allerdings noch einige Zeit – nicht zuletzt deshalb, weil die Bahn zunächst die Sanierung der Müngstener Brücke abschließen musste. Zudem war die Investition nicht ganz billig – Walla spricht von einer „mittleren siebenstelligen Euro-Summe“. Es musste ein Zugang vom Fundament zum Brückenbogen geschaffen und zwei Gangways zur Brücke installiert werden. Die Treppenstufen auf den Bögen waren immerhin schon vorhanden, weil sie für die Sanierungsarbeiten angebracht worden waren. Für die Nutzung hat Deepwood mit der Deutschen Bahn AG einen Pachtvertrag von 20 Jahren abgeschlossen.  
Die Touren dauern etwa zweieinhalb Stunden und beginnen im zweiten Obergeschoss des Haus Müngsten – dort hat Deepwood Räumlichkeiten für die Touren angemietet. Hier werden die Teilnehmer instruiert und mit Helm, Sicherheitsgurt und Walkie-Talkie ausgestattet. Mit Karabinerhaken wird jeder Teilnehmer aufwendig gesichert, die Sicherung lässt sich während des Auf- und Abstiegs nicht abnehmen. Die Tour führt über den in Richtung Haus Müngsten gelegenen Brückenbogen in 100 Meter Höhe, dort geht es über eine Plattform und auf der anderen Seite dann wieder herunter auf die Solinger Seite der Brücke. „Das sind alles in allem 777 Stufen – inklusive der Treppen im Haus Müngsten“, sagt Walla. 
Bei den Teambuilding-Veranstaltung gibt es für all jene, die sich in größeren Höhen nicht wohlfühlen, zudem eine GPS-Tour im Brückenpark. Über Walkie-Talkie können die Teilnehmer der Klettertour dann mit jenen sprechen, die am Boden geblieben sind – gemeinsam dürfen sie während der Tour Rätsel lösen.   
Dass Sören Walla und Gottfried Engendahl nun mit dem Wuppertaler Wirtschaftspreis ausgezeichnet werden, ist für die beiden und ihr Team – neun fest Angestellte und 70 Freelancer – Bestätigung und Ermutigung zugleich. „Der Preis ist ein tolles Format, das die Stadt kreiert hat. Es ist schön, dass wir nun ein Teil davon sind“, betont Walla.
Und Mitstreiter Engendahl blickt noch etwas über die kommunalen Grenzen hinaus. Mit den Hängebrücken, die am Schloss Burg in Solingen und anlässlich der Bundesgartenschau 2031 im Westen Wuppertals entstehen sollen, könne man im Verbund mit dem „Brückensteig“ ein „ganz neues Narrativ“ schaffen, sagt er. Damit könne das Bergische Land künftig als „Brückenland“ für sich werben.

Von Michael Bosse

 

https://www.brueckensteig.de/